DE   ·   EN   ·   PT   ·   ES


Die BewohnerInnen Capanemas waren einst MigrantInnen auf der Suche nach fruchtbarem Land. Kaum hatten sie dieses gefunden, wurde es ihnen von Holzkonzernen streitig gemacht. In der "Revolte der Siedler" von 1957 gelang es den Bauern jedoch, ihre grossen Gegenspieler in die Flucht zu schlagen.

Bauernhof

Die Bewohner von Capanema stammen mehrheitlich von deutschen und italienischen Einwanderern ab, welche in der Hoffnung auf ein Stück eigenes, fruchtbares Land ihre Heimat Ende des 19. Jahrhunderts verliessen. In Brasilien waren sie willkommen, denn nach dem Verbot des Sklavenhandels 1888 fehlte es dem grossen, nur dünn besiedelten Land an Arbeitskräften.

Im Rahmen ihrer landwirtschaftlichen Expansionspolitik gründete die brasilianische Regierung 1943 die „Nationale Landwirtschaftskolonie General Osório“, kurz CANGO. Das Projekt hatte zum Ziel, einen 60km breiten Streifen entlang der argentinischen Grenze im Bundesstaat Paraná zu besiedeln.

1952 wird Capanema gegründet

Es waren Nachfahren der erwähnten EinwandererInnen aus Europa, die sich daraufhin - wiederum auf der Suche nach Land – im Südwesten Paranás niederliessen. Neben einer Parzelle Land erhielten die SiedlerInnen kostenlos Saatgut und Material für den Hausbau, ausserdem baute die CANGO Strassen, Schulen und Mühlen. 1952 wurde im Rahmen des Siedlungsprojektes die Gemeinde Capanema gegründet.

Landschaft am Iguaçu

Aufgrund ungeklärter Besitzverhältnisse bekamen die SiedlerInnen der CANGO jedoch keine Dokumente, die das Land als ihr Eigentum bestätigten. Dies wurde in den 1950er Jahren zum Problem, als verschiedene Holzunternehmen auf unrechtmässigem Weg Besitzpapiere für das bereits besiedelte Land erwarben und Steuern erhoben. Wer sich weigerte Abgaben zu leisten, musste mit Gewalt rechnen: Es kam zu Plünderungen, Brandstiftungen und Morden. Die regionalen Autoritäten standen auf der Seite der Holzfirmen und überliessen die Siedlerinnen ihrem Schicksal.

Die Revolte der Siedler

Die Situation wurde immer schlimmer, so dass die SiedlerInnen 1957 den bewaffneten Widerstand gegen die übermächtigen Firmen organisierten. In Capanema nahmen rund 2000 Bauern den Sitz der Stadtverwaltung ein. Vielerorts solidarisierte sich die Stadtbevölkerung mit den Bauern und im Oktober 1957 gelang es den Aufständischen schliesslich, die VertreterInnen der Holzkonzerne aus der ganzen Region zu vertreiben.

Mit dieser „Revolte der Siedler“ sicherten sich die Bauernfamilien Capanemas endlich die Besitzrechte für ihr Land. Doch jetzt ist die Existenz der Biobauern unter ihnen erneut bedroht. Werden sie auch den Kampf gegen die Lobbies der Agrarmultis und der Agrarindustrie gewinnen?


Capanema, Paraná, Brasilien 2010 Feinheit

Capanema, Paraná, Brasilien


Share |




FEINHEIT Grafik Zürich – CI/CD, Webdesign, Flash, Webshop, XHTML/CSS