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Im Juli stand der einzige Bio- und Fairtrade Produzent von Soja in Lateinamerika vor dem Aus. Nach grossen Verlusten wegen Verunreinigungen durch konventionelle Pestizide hatten die Geldgeber den Kredithahn zugedreht. Dank einer Welle der Solidarität und Unterstützung durch bisherige und neue Partner können die Biobauern in diesen Tagen die Saat für die nächste Ernte aussäen.

Im Juli dieses Jahres waren die Aussichten für die Biobauern der Region Capanema in Südbrasilien düster. Aufgrund von Verlusten in der Vergangenheit drehten die Finanzinstitute ihrer Abnehmerin, dem Bio- und Fairtrade Unternehmen gebana Brasil, den Geldhahn zu. Das Unternehmen stand vor dem Ende – und mit ihm rund 250 Kleinbauernfamilien, die ihre Felder biologisch bewirtschafteten.

In den letzten Monaten suchte das Schweizer Partnerunternehmen gebana AG verzweifelt nach Lösungen, um gebana Brasil und den kleinbäuerlichen Bioanbau in Südbrasilien zu retten. Es wurde ein Sanierungsplan ausgearbeitet und mit bisherigen und neuen Investoren das Gespräch gesucht. Dabei zeigten sich nicht nur private Darlehensgeber, sondern auch Sojakunden und sogar institutionelle Geldgeber bereit, das Unternehmen zu unterstützen:

Manche Investoren verzichteten auf einen grossen Teil ihrer Forderungen, andere haben diese in eine Beteiligung gewandelt. Einzelne Kunden finanzieren das Saatgut und den Biodünger für die nächste Aussaat – und dies ohne weitere Sicherheiten. Dank diesem Engagement können die Bauernfamilien von Capanema auch dieses Jahr wieder GVO-freie Biosoja aussäen. Die Rettung kam sprichwörtlich in letzter Sekunde: nämlich rechtzeitig zum neuen Aussaattermin im Oktober.

Neben Kunden und privaten Investoren haben insbesondere die auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Finanzinstitute Oikocredit und responsAbility sowie die niederländische NGO ICCO dazu beigetragen, dass „Südamerikas Insel der Bio-Soja“, wie die NZZ in einem Bericht titelte, nicht von der Landkarte verschwinden wird.

Hintergrund

In der biologischen Soja der Kleinbauern in Südbrasilien wurden 2010 Spuren des Pestizids Endosulfan gefunden. Das Gift gelangte von der konventionellen Landwirtschaft in die Umwelt, wurde von den Bio-Sojabohnen aufgenommen und verringerte deren Marktwert drastisch. Die Bauern wehrten sich gemeinsam mit gebana und lancierten die Aktion „Chega – Kleinbauern gegen Pestizide“ (www.chega.org). Endosulfan wurde schliesslich auch in Brasilien verboten und das für die Biobauern existenzielle Problem war damit gelöst. Obwohl das Problem gelöst war und auch die Nachfrage nach biologischer Soja stieg, stand gebana Brasil im Sommer 2012 dennoch vor dem Konkurs. Dies war eine Spätfolge der Verluste durch die Pestizid-Verunreinigungen und des darauf folgenden Kreditstopps durch die Banken.

Am 9. November lädt die gebana AG ihre Investorinnen und Investoren nach Zürich ein. Thema der Diskussion des diesjährigen Investorenabends ist: Bio&Fair Soja inmitten von GVO und Agarindustrie: Wahnsinn oder Vision?


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